17. Oktober 2009
Flug über die Datumsgrenze
Gestern beim Buchen des Hotels ist mir aufgefallen, daß ich am 12. abreise und erst am 13. ankomme in Vancouver. Hört sich nicht schlimm an, fliege ich eben lange und komme am nächsten Tag an. Wohl doch nicht, da ich nach Osten über die Datumsgrenze fliege, komme ich am gleichen Tag vormittags an. Obwohl ich am gleichen Tag nachmittags starte und der Flug 12-13h dauert mit ~5h Zeitverschiebung d.h. Abflug ist in Auckland um 15:55 + 11h + 5h – 24h = 7am (gleicher Tag), bei mir steht als Weiterflug allerdings 14:10 am 13. in L.A.. Das sollte dann bedeuten, daß ich gut und gerne knappe 30h Flughafenluft schnuppern werden, oder nicht? Ich bin gespannt, hoffentlich habe ich mich verrechnet oder etwas nicht bedacht. Falls nicht, würde ich dann gut und gerne mit allem Drum und Dran 48h Reisedauer haben, keine schöne Vorstellung.
Mal sehen.
Ein Tag Aufenthalt
Was hat sich das Reisebüro dabei nur gedacht? Warum haben wir das nicht beim Durchsehen der Reiseunterlagen bemerkt? Egal. Doof nur, daß ich beim Checkin gefragt wurde, wo ich den übernachten würde. Warum das so wichtig sei, habe ich gefragt. Sie müßte es wissen, weil ich nicht auf dem Flughafen bleiben könnte. Warum denn nicht, in Deutschland leben sogar zeitweise Menschen auf dem Flughafen und das legal, erwiderte ich. Nicht so in den USA, die mögen das nicht schloß sie. Weitere zehn Minuten später, mein Übergepäck geriet aus den Fokus und schlug mir einfach vor, daß ich ein Hotel angeben sollte und mir nur noch die Adresse besorgen müßte (am Inet-Terminal). Ohne Adresse würde der Zoll Probleme bereiten – warum? Keine Ahnung, vielleicht stehe ich dann im Verdacht etwas zu sein, ein Terrorist in spe oder so. Bin ja mal gespannt, welche Paranoia mich auf dem Airport in L.A. erwartet.
Datumsgrenze sieht man aus dem Flugzeug
Ich hätte es nie gedacht. Als wir über die Datumsgrenze geflogen sind, konnte man eine Linie aus dem Fenster erkennen. Mag aber vielleicht auch daran gelegen haben, daß wir zu diesem Zeitpunkt 1007km/h schnell waren und daher ein nahender Kondensstreifen sichtbar war.
Flug über den Äquator
Gerade in diesem Moment überfliegen wir den Äquator, also 5:32h vor Ankunft am Ziel und schaue ganz gespannt aus dem Fenster, ob man auch etwas erkennt. *g* Hätte echt nicht gedacht, daß ich mal erlebe, daß ich die Sterne am Himmel vorbeiziehen sehe. Jetzt nicht so schnell, wie beim Überholen auf der Autobahn, aber doch merklich. Flugrichtung ist gerade Süd nach Nord und ich sitze rechts. Habe also, wenn ich es nicht verschlafe, die Möglichkeit den Sonnenaufgang mitzuerleben und mit meinem Fotoapparat festzuhalten. Aber abwarten, mal sehen wie müde ich in 4 Stunden bin. Das gibt es doch nicht, wir landen doch wirklich gerade in dem Moment, in dem die Sonne aufgeht. Naja nächstes Mal.
Iranischer Zollbeamter und afghanischer Taxifahrer
Der Zoll nimmt mir meine Bananen aus meiner Stullendose weg
. Ich dachte nach Neuseeland hört dieser Bio-Security-Paranoia-Spuk auf. Lustig fand ich, daß der Zollbeamte für Immigration mich mit „Guten Morgen“ begrüßte, nachdem er meinen deutschen Paß gesehen hat. Ich frage ihn ob er Türke ist, er verneint und sagt, daß er Iraner ist und in Deutschland Verwandte hat. Tja so klein die Welt, mich wundert es nicht, wenn ich demnächst einen schwäbelnden Inder treffe.
Auf dem Flughafen suche ich mir am Informationsautomat (ähnlich einem Inetterminal) ein Hotel raus. Was ich schön finde, es ist eine Anrufsfunktion eingebettet. „Call and book“ mache ich und es klappt. Mit einem Taxi bin ich nach 25$ für 8 Meilen da.Wie sollte es anders kommen, der Taxifahrer ist Afghane und sein Bruder hat in Deutschland studiert – warum nicht. Wir unterhalten uns ein wenig auf der Fahrt und er fragt mich doch allen ernstes, ob ich wüßte wo Afghanistan liegt. Natürlich nicht! Woher denn, ist ja seit 2001 nicht mehr in den Medien. (Scherz, klar weiß ich es.) Einige Tage später wird mir klar, warum er fragt. Selbst auf etablierten Kanälen läuft unten im Ticker eine Schlagzeile wie „Großer See in Afrika trocknet aus“ und anderswo fragt der Moderator nocheinmal einen zugeschalteten Spezialisten, ob mit Höhe die Höhe über dem Meeresspiegel gemeint ist. Bildung ist hier vielleicht hier nicht so verbreitet.
Lunch – Mie goreng mit alten Shrimps
Mein Magen fragt mich dauernd, wann es wieder etwas zu essen gibt und es geht mir langsam auf den Keks, also gebe ich nach. Dann hat er endlich was zu tun und nervt nicht dauernd. Nachdem ich meine Sachen im Hotel abgestellt habe, gehe ich die Hauptstraße entlang. Die Hauptstraße ist etwa so breit, wie eine vierspurige Autobahn, mit 4m-breiten Spuren. In einer Ladenzeile finde ich einen Chinesen und bestelle mir gebratene Nudeln mit Shrimps. Die Nudeln sind ok, aber die Shrimps schmecken fischig. Dieser Geschmack ist ein Zeichen dafür, daß sie nicht ganz so frisch sind, um nicht zu sagen alt. Als ich die Portion bekommen habe, mußte ich schon schlucken, weil sir meine wirklich heftig groß war. Daher erklärt sich auch, daß ich danach ziemlich müde war
. Jetlag, wenig Schlaf und voller Magen fordern ihren Tribut. Laut meinem Reiseführer (für Neuseeland) bracht der Körper für jede Zeitzone, die man überquert einen Tag, um seinen Biorhythmus anzupassen. Heißt dann also, daß ich ca. zwei Wochen Jetlag haben werde, klasse!
Vor der Hollywoodtour
Vor meinem Mittagsschlaf buche ich noch eine Tour, um die Zeit sinnvoll zu nutzen. Würde zwar am liebsten den Tag durchschlafen, aber ich glaube ich würde mich viel mehr ärgern, die kurze Zeit hier nicht genutzt zu haben. Zumal wenn man bedenkt, was ich dann noch so erlebt habe, aber dazu später mehr. Ich habe 1,5h Zeit bevor es los geht und falle augenblicklich in einen tiefen Schlaf.
Hier habe ich mal ein Link zu GoogleStreetView http://maps.google.ca/maps?f=q&source=s_q&hl=en&geocode=&view=map&q=los+angeles+lawndale&sll=33.845327,-117.909393&sspn=0.493866,0.883026&ie=UTF8&hq=&hnear=Lawndale,+Los+Angeles,+California,+United+States&ll=33.888965,-118.352693&spn=0.000964,0.002747&t=h&z=19&layer=c&cbll=33.888551,-118.352392&panoid=BuwDS2oilLtHrRMszf-srw&cbp=12,77.84,,0,-8.01, kann sich jeder mal die Gegend anschauen. (Ist so, wie ich sie gesehen habe.)
Vom Hotel werde ich abgeholt. Eigentlich sollte es ein Bus sein, aber weil etwas dazwischen gekommen ist, holt mich der Chef persönlich ab, in einer schwarzen Limousine (kurze Version), mit getöhnten Scheiben und Lederbezügen, dazu mit einer Motorisierung, die an 7er BMWs erinnert. Ich überlege nochmal, ob ich die Tour für $55 oder für $550 gebucht habe. Der Chef erzählt auch noch, daß Los Angeles aus 88 Städten und 33 Freeways (Autobahnen) besteht und sich über 200×300 Meilen verteilt und alle Touris enttäuscht sind, kein Stadtzentrum vorzufinden. Gibt es auch nicht. Diese Region hat auch wenige öffentliche Transportmittel und ist für Autos geplant. Seiner Aussage zufolge sei es normal, morgens und abends mindestenxs 40min mit dem Auto zur Arbeit zu fahren.
Komischerweise hatte ich mir Kalifornien immer als sonnig vorgestellt. Bei meiner Ankunft war es bedeckt und es hat sich sogar Regen für den nächsten Tag angekündet. Mein Fahrer hat mir daraufhin natürlich bestätigt, daß es seit 1,5 Jahren das erste Mal sei, daß es regnerisch sei. Na klar, warum nicht, haben mir die Kiwis ja auch gesagt „Vorheriges Jahr war der September nicht so verregnet.“. Egal.
Während der Hollywoodtour
Der Tourguide heißt Jack [Jaaaaäk] und ist der erklärte Cousin von Nicholas Cage
. Der Guide ist sehr gut, macht seine Sache richtig gut und sorgt für Stimmung, ist ja auch immer wichtig. Wer kennt nicht die langweiligen Touren, wo die Reiseführerin vorne im Bus mit dünner Stimme, den Tempel von … erklärt und einfach nur langweilt, weil sie sich nicht traut die Stimme zu heben und akzentuiert zu sprechen.
Außer seine Witze verstehe ich auch alles. Wir fahren zum Strand, an dem Baywatch gedreht wurde und er weist uns darauf hin, daß Rettungsschwimmerinnen nie einen Zweiteiler, wie Pam tragen
. Dann sind wir nach Hollywood gefahren und zum Walk-of-Fame durch Beverlly Hills. Interessanterweise bestehts BH’s Haupteinnahmequelle darin, daß es Gebäude leasen läßt und per Gesetz verbietet, (Stadt-)Eigentum zu erwerben.
Wir waren glaube ich 12 bei der Tour, 4 Bolivianer, 1 Australier, 1 Deutscher, 2 schwedische Afghaninnen … . Jaaa, schwedische Afghaninnen, da habe ich auch nicht schlecht gestaunt. Zuerst als mir die beiden gesagt haben, sie seien aus Schweden. Man stelle sich jetzt zwei Frauen mit dunkelbraunen ins Schwarze gehende Haare, mandelbraune Augen und einem natürlichen braunen Teint. Da dachte ich „Was erzählen mir die?“. Mußte in dem Moment daran denken, wie einige Deutsche zwei somalische Eltern haben und nur an zwei Körperstellen weiß sind – Augen und Zähne. Auf die Frage, woher sie wirklich kommen, antworten sie Afghanistan. Da bleibt mir dann etwas der Mund offen stehen. Das Bild der Afghanin in einer Burka und das, jener im Bus. Die sahen wirklich gut aus und … ganz und gar nicht jugendfrei … .
Nach der Hollywoodtour
Mit dem Australier habe ich mich so gut verstanden, daß wir auf der Tour beim letzten Halt mit einem Bier in der Hand zurückkamen – zum Entsetzen des Tourguides. In den Staaten ist Alkoholkonsum auf der Straße nicht erlaubt und kann sogar zu einem Entzug seiner Lizenz führen, wenn er uns mit Bier in den Bus läßt und erwischt wird. Die verrückten Amis.
Der Abend ging dann einer Bar so weiter und führte fast zu meiner Fahruntüchtigkeit (als Gast im Taxi). Wir haben dann beim Billard noch Einheimische kennengelernt und sind in deren Jeep zu einer anderen Bar. Das war schon eher ein Kleinbus, wenn ich auf der Rückbank einen Abstand von einem Meter zu meinem Nachbarn und einen Meter Abstand im Bodenbereich Vordersitz habe und über ein kleines Treppchen einsteigen muß, dann ist es ziemlich ziemlich groß.
Der Abend war schön, der Tag war lang und irgendwie stand immer Whisky, Bier oder Martini vor mir auf dem Tisch. Ich kann jetzt mit Stolz sagen, daß meine Sprachkenntnisse so weit gediegen sind, daß ich mich unter erheblichen Alkoholeinfluß mit Amis unterhalten kann (Dialog wohlbemerkt).